Kindsräuber: Textschnipsel #3 – Lernt Patrik kennen!

Auf Facebook und Twitter habe ich ja schon großspurig verkündet, dass ich im Rahmen des NaNoWriMo bereits 50.000 Wörter vom Kindsräuber geschafft habe. Drei Kapitel fehlen noch, dann ist das gesamte Manuskript fertig. Den Moment der Euphorie nutzend, möchte ich euch einen weiteren Kindsräuber-Charakter vorstellen 🙂

Gestatten: Patrik Emil. Kindheitsfreund mit dunkler Vergangenheit und Bote des Königs. Der Zufall – oder vielleicht doch das Schicksal? – führt ihn nach sieben Jahren Trennung mit meiner Hauptcharakterin Alene wieder zusammen. Die folgenden Ausschnitte sind aus der Szene ihrer Wiederbegegnung im Jahr 1620.

 

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(Unlektorierte Fassung)

 

Ausschnitt 1

Abseits der Menge stand ein hochgewachsener Mann, dessen bunte Aufmachung sofort ihren Blick gefangen nahm. Gegen die Schar der einfachen Leute sah er wie ein Pfau in einem Hühnerstall aus. (…) Doch mehr als seine guten Kleider faszinierte Alene sein Gesicht. Ein sehr feines Gesicht, um die 20 Jahre, mit spitzem Kinn und scharf geschnittenen Wangenknochen. Der Kinn- und Oberlippenbart waren gut gepflegt, selbst die buschigen Brauen über den hellen Augen sahen wie gekämmt aus.

Irgendetwas an ihm kam Alene schrecklich bekannt vor. Sie hatte das Gefühl, schon einmal mit ihm zu tun gehabt zu haben. Doch das konnte nicht sein, er war ohne Zweifel weit über ihrem Stand. Was trieb er hier überhaupt auf dem Markt?

 

Ausschnitt 2

Für einen kurzen Moment sahen sie sich beide in vollem Bewusstsein an. Er hatte unglaublich schöne Augen, hellbraun wie das Innere einer Haselnuss. Gleichzeitig lag etwas zutiefst Verstörendes in ihnen. Alene wusste, diese Augen hatten Dinge gesehen, von denen sie sich fernhalten wollte. Sie erkannte ein erstauntes Leuchten in ihnen. Das Gefühl, dass sie den Mann kannte, wurde übermächtig stark.

 

Ausschnitt 3

Er fragte mit einer Stimme, die rauer war, als sie es bei seinem Gesicht vermutet hätte: „Alene, bist du das?“

Sie erschrak (…). „Wer … wer seid Ihr, Herr?“, brachte Alene schließlich hervor. „Woher wisst Ihr meinen Namen?“

Er strich ihr eine braune Strähne aus dem Gesicht. „Du bist es“, wisperte er. „Oh, nenn mich doch nicht Herr! Ich bin es, Patrik! Patrik Emil. Der Junge, den Eltern vor vielen Jahren gerettet haben. Wir haben ein Jahr zusammen als Familie gelebt!“

Fassungslos sah Alene ihn an. Dieser schöne Mann sollte der magere, verängstigte Junge ohne Vergangenheit gewesen sein, der vor sieben Jahren zur Mühle ihres Vaters gestolpert war? Doch jetzt, da sie dies wusste, konnte sie den Jungen in seinen feinen Zügen erahnen. Mit einem Mal war sie von hundert Erinnerungen erfüllt: Daran, wie Patrik mehr tot als lebendig durch das goldene Kornfeld lief, wie er mit Alene zusammen Mehlsäcke trug, wie sie gemeinsam mit ihren Eltern lachend zu Abend aßen, wie er nachts in seinem Bett schluchzte, und wie er mit durchgestrecktem Rücken und ungewissem, doch starkem Blick seinen Wanderbeutel schnürte und ging.

Patrik, dachte Alene atemlos. Er ist ja ein Bild von einem Mann geworden.

 

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