Hexensold

 

Format: Roman in personaler Perspektive

Genre: Dunkelfantastischer Thriller – Märchenadaption von »Rapunzel«

Zielgruppe: Jugendliche und Erwachsene, die Hexen und mörderische Intrigen faszinieren

Geplanter Umfang: um die 400 Seiten

 


 

Leseprobe

 

Du weißt nichts über das Sterben, bis der Mensch, den du am meisten liebst, in deinen eigenen Armen verrottet.

So viele Körper behandelte ich, Kinder wie Alte, in gottesfürchtiger Ruhe. Der Himmel allein weiß, wie viel Schmerz ein Mensch verdient, wann seine Zeit gekommen ist … so dachte ich stets. Hielt meine Medizin für Gottes Instrument, der allein nach seinem Willen Leben verlängern und Schmerzen mildern kann.

Doch wenn der Körper, der den blutigen Fängen des Todes preisgegeben ist, einer ist, den du selbst aufgezogen hast – wie sollst du noch glauben?

»Heiß …« Ihre Stimme ist kaum mehr als ein Hauch, gewichtslos wie ihr kleiner, verschwitzter Körper, den ich an meine Brust presse. Mit jeder Sekunde, welche die Pestbeulen ihren Hals weiter zudrücken, scheint sie mehr in der Seuche zu verschwinden. »Es ist so heiß, Papa …«

Ich streiche durch die Reste ihres matten, verklebten Haares, das ich ihr erst gestern geschnitten habe, auf das kein Getier sich darin festsetzen könne. Ihr langes dunkles Haar, das sie immer so gerne geflochten hat und das nach dem ihrer Mutter kommt – was hat es wehgetan, dies zu tun.

»Es ist nur die Morgensonne«, lüge ich sie an. Ich lächle nicht, wissend, dass ihre fieberblinden Augen es nicht sehen würden. »Ich bringe dich hinaus, liebe Tochter. Das wolltest du doch? Bald wirst du wieder mit deinen Freundinnen spielen und Lieder im Tempel singen können.«

Alle Kraft, die ich habe, lege ich in meine Stimme. Ich will nicht, dass sie meine Angst daraus hört. Sie soll glauben, was ich sage. Blind bleiben für die Häuser, die um uns brennen. Die lebensgefüllten Gassen, die darin aufgestellten Marktstände, das Lachen der Nachbarkinder – sie soll nicht wie ich sehen, das alles vom Rauch fortgefressen ist. Kein Mensch ist mehr in den todgeschwärzten Straßen, durch die ich mich mit ihr schleppe.

Sie antwortet erst nach so langer Zeit, dass ich schon fürchte, nicht laut genug für ihre tauben Sinne gesprochen zu haben: »Ja … kein Bett … kein Kranksein mehr …« Sie sinkt mit jedem Wort ein Stück zusammen, schrumpft mehr ins Nichts.

Ich kann sie nicht noch mehr halten, ohne dass sie an mir zerbricht. Ich kann nur hustend weiterlaufen, so sehr meine Füße und mein zerschlagenes Gesicht schmerzen, und gleich, wie oft ich wegen meines wunden Beines über meine zerrissene Tunika stolpere.

Fort!

Ich muss sie fortbringen.

Und wenn Gott doch noch gnädig ist, wacht sie aus ihrer Krankheit auf und erinnert sich nicht an meine Lüge.

»Halt!«, schneidet es in meine Ohren. Ich wende den Kopf nach der Stimme.

Er ist ein nur Schatten gegen die Flammenwände, der Soldat des Kaisers. Das fauchende Feuer verzerrt die Silhouette seines Helmes zu dem Kopf eines Bluthundes. Weitere Schatten erheben sich neben ihm, ziehen klirrend ihre Schwerter, die wie die Zähne eines Karnivoren zwischen den Rauchfäden blinken. Und wie bei einem Raubtier weiß ich instinktiv: Sie wollen uns töten.

Der Schmerz verschwindet in meinen Gliedern, wird völlig von jenem Gedanken ausgelöscht. Ich renne.

Warum?

Die rauchende Stadt scheint mich auf einmal zu umschließen, vollkommen mit ihren Feuern auf mich einzurücken, während das Zähneklirren und mich verfolgende Stapfen stetig lauter wird.

Was geschieht hier nur?

Ich will es nicht wahrhaben, doch mein berstendes Herz weiß es längst: Die Stadt wurde nicht angegriffen. Der Kaiser hat die Feuer legen lassen, durch seine eigenen Soldaten. Weil ich und die anderen Mediziner die Pest nicht vollständig auslöschen konnten, lassen sie dies das Feuer übernehmen, bevor es zu spät ist … und wie viele Leben es auch kosten mag.

 



 

Ideenskizze

 

Vor vielen Jahrhunderten schloss ein Vorfahre der Petrosinellas einen Handel mit dem Gevatter Tod. Seither sind seine Nachkommen verpflichtet, im Auftrag des Todes zu morden – so wird es Elegio Petrosinella erzählt, als er noch ein kleiner Junge ist.

Sein Vater Lysander füllt den Turm in Veltlin, wo sie leben, mit vielen weiteren dunklen Geschichten, bereitet ihn auf seine Bestimmung als Auftragsmörder vor. Elegio enttäuscht ihn dabei mehr als einmal, ist er doch eher sanftmütig und gewaltscheu. Auf Anweisung seines Vaters schafft er sich eine Persönlichkeit, die kalt genug ist, seinem Schicksal zu folgen: Sie bekommt den Namen Diva, und Elegio verwandelt sich in sie, wann immer er die Klinge des Todes führen soll.

Lysander selbst verlässt als Inferno immer öfter den Turm, seit der 30-jährige Krieg ihre Heimat erreicht hat. Elegio dagegen darf den Turm nur selten verlassen, sowie den Raum ganz oben nicht betreten. Großes Unglück würde sonst über sie hereinbrechen, hatte Lysander ihm gesagt.

Als sein Vater ungewöhnlich lange dem Turm fernbleibt, betritt Elegio den verbotenen Raum, in der Hoffnung, einen Hinweis auf dessen Verbleib zu finden … und trifft eine Frau, die dort eingesperrt ist. Eine wahnsinnige Hexe mit dem Namen „Frau Gotel“, die in die Zukunft schauen kann.

Mit jener Begegnung treten ungeheuerliche Dinge in Elegios Leben. Er sieht Geister und Dämonen, fühlt sich verfolgt. Von den Visionen der Hexe geleitet, weiß er nicht, ob er seinem Vater noch trauen kann, der ihn stets mit seinen fantastischen Geschichten belog. Ist Elegio wirklich dazu verdammt, bis zu seinem Ende als Diva dem Tod zu dienen? Wie viel Teil ist Diva von ihm, und wer ist er in Wirklichkeit?



 

Derzeitiger Stand

 

Wird momentan geschrieben.

Veröffentlichung ist für Anfang 2018 angesetzt.

 

© Nora Bendzko

 

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