#Märchensommer Special: Mein Beitrag zur Märchen-Rallye

Neulich habe ich euch den #Märchensommer von randompoison.wordpress.com vorgestellt – ein Lesechallenge, der sich um Märchen und Märchen-Adaptionen dreht. Teil davon ist auch: Die Märchen-Rallye, die heute um 10 Uhr online gegangen ist. Die Rallye startet auf der Seite der Märchenspinnerei unter: maerchenspinner.layeredmind.de/news/maerchenrallye.

Dort findet ihr, wie auch bei mir, eine Märchenfrage mit verschiedenen Antwortmöglichkeiten. Wählt die richtige Antwort, folgt der Blogverlinkung, die mit ihr verknüpft ist, und hangelt euch so von Blog zu Blog. Wenn ihr alle Fragen richtig beantwortet, habt ihr am Ende mit den Lösungsbuchstaben, die in jedem Beitrag angegeben sind, drei Lösungsworte. Im besten Fall gewinnt ihr mit denen sogar ein märchenhaftes Paket. ❤

Also flugs zur Seite der Märchen-Rallye! Dort findet ihr alles auch ausführlich erklärt, wenn das hier zu knapp war, und was alles Gewinnerpaket enthalten sind. (Spoiler: Eine Gesamtausgabe von Grimms Märchen, Schmuck, Schokolade … waaaaah!) Mal schauen, wann ihr bei mir ankommt 😉

 

Mein Lösungsbuchstabe für die Märchen-Rallye ist:

 

Das ist meine Märchenfrage:

Welches Fabelwesen taucht beim singenden, springenden Löweneckerchen nicht auf?


Ein Mantikor (Bookwormdreamers – http://bookwormdreamers.blogspot.de)
Ein Lindwurm (Random PoiSon – https://randompoison.wordpress.com)
Ein Greif (Christian Handel – www.fantasy-news.com)

 

Da ich ein Märchen habe, das nicht jedem so geläufig sein dürfte, habe ich mir etwas ausgedacht: Im Folgenden könnt ihr eine (nicht ganz ernst zu nehmende) Neuinterpretation des Märchens von mir lesen.

Es folgt größtenteils der Handlung des Originals, sodass ihr problemlos die Märchenfrage beantworten könnt. Ansonsten erwarten euch bratzige Schleichwerbung, (keine) Gender-Stereotype und eine Cameo von mir höchstselbst in Löwenform. Als Easter Eggs habe ich außerdem die Romanprojekte eingebaut, an denen ich künftig zu schreiben gedenke.

Also: Viel Spaß beim Lesen! Oder lieber: Gruselt euch nicht zu sehr. 😀

Das singende, springende Löweneckerchen

(Bendzko Remix)

Es war einmal ein Mann. Ja, ein Mann – warum soll ich mehr erzählen? Ist halt so ein besch***ner Mann von nebenan, hast du keine Männer als Nachbarn? Wie? Du erwartest dir mehr auf einer Autorenseite? Wow, bei kostenlosem Content auch noch Forderungen stellen – wenn du mehr willst, hol dir die Gratisgeschichte in meinem Dark Letter oder was weiß ich. Ein 08/15-Märchen-Saukopf-Mann von nebenan bleibt mein Mann trotzdem!

Jedenfalls: Der hatte drei Töchter. Ich weiß, Standard, bezahl halt für mehr, ich hab zufällig Bücher veröffentlicht! Nun ging der alte Herr auf Reisen, du Knauser, und wollte von seinen Kindern wissen, was er ihnen an Geschenken mitbringen soll. Die zwei ältesten wünschten sich den glitzenden Klimm-Bimms, wie manche es wohl von Mädchen erwarten. Perlen und Diamanten und so einen Schiet, ein Wunder, dass sie nicht rosa sein sollten. Die dritte aber war pseudo-bescheiden. Nesthäkchen eben, die sind es gewohnt, als Unterste in der Geschwisterkette zu hungern.

»Herr Vater«, sagte sie, »es verlanget mir nach einem singenden, springenden Löweneckerchen!«

 

[Klick den Beitrag auf für mehr]

 

 

Der Vater rollte mit den Augen. Konnte sie nicht einfach wie jeder andere Mensch sagen, dass sie eine Lerche wollte? Sie las eindeutig zu viel Fantasy-Bücher ! Und warum sollte er ihr so einen verdammten Vogel besorgen? Diese Schnabelmonster können einem alle Haare vom Kopf fressen.

»Ja, ja, mach ich schon«, schob er die Affäre erst einmal beiseite und ging.

Seine Reise war gut, er machte alle nötigen Besorgungen, fand auch ein paar billige Plastikperlen und -diamanten, nur keine Lerche. Ein Glück, da konnte er sich daheim rausreden! Vergnüglich pfeifend schlenderte er durch den Wald, an einem Schloss vorbei – und dort, auf einem Baum, saß eine Lerche. Himmel, Ar*** und Zwirn!, durchschoss es den Vater. Und dabei war ich fast zuhause … Bloß die Beine in die Hand nehmen! Ich kann immer noch sagen, ich habe keine Lerche gefunden. Er spurtete sich – und sprang versehentlich fast einem Löwen in dem Rachen, der hinter dem Baum geschlafen hatte.

»Raaaaaaaarrrrrrrgh!«, brüllte der Löwe – oder war es doch eine Löwin? Es war das netteste Brüllen, das der Vater je gehört hatte. Ob man daran das Geschlecht eines Löwen erkennen kann, ist fraglich, aber dieser Vater hatte ja auch geglaubt, seine Töchter mit rosa Plastikperlen abspeisen zu können. »Raaaaaaaarrrrrrrgh! Du wagst es, meine Lerche stehlen zu wollen, MENSCH?«

»Ähm, nein, wie, was -«

Alles Stammeln des Vaters nützte nichts. Der Löwe … die Löwin … das Löwenetwas brüllte weiterhin. Brüllte, der Vater würde gefressen, es sei denn, der tausche ein, was er zuhause als Erstes träfe, dann gäbe es auch die Lerche obendrauf. Kurzum, es war eine Überreaktion, wie der alte Herr sie noch nie erlebt hatte. Er ging äußerst verwirrt heim und traf dort als Erstes auf seine jüngste Tochter.

»Oh Herr Vater«, begrüßte sie ihn, »fein, fein, mir ist tatsächlich ein springendes, singendes Löweneckerchen gebracht worden, was freuet mich das!«

Da tat sich ein Lichtblick vor dem Vater auf: Er konnte dem Löwenviech entkommen, indem er ihm seine nervige Möchtegern-Jane-Austen zum Fraß vorwarf! »Ja, Töchterchen«, sagte er mit einem triumphalen Lächeln, »und rate, was mir auf dem Weg begegnest ist: Ein Fantasy-Autorin, äh, eine Fantasy-Autor, ömp, Fantasy schreibend und löwig.«

Da ward das Herz der Tochter schnell entflammt – schwupps, eilte sie mit der Lerche zum Schloss hin! Da in vielen Lügen aber auch ein Körnchen Wahrheit steckt, hatte der Vater nicht ganz Unrecht. Das Löwentier schrieb tatsächlich – es war eine verwandelte Autorin mit dem Namen Nora Bendzko. Bei Tag war sie in Löwengestalt, wie auch ihre Kollegen, nachts ward sie ein Mensch und schrieb. Das freute die Tochter natürlich schrecklich! Nachts hingen die beiden also im Schloss herum und schwelgten in mal dunklen und mal komischen Fantasy-Geschichten.

Irgendwann musste die Tochter aber zurück, ihre Schwestern heirateten. Wobei die Tochter eigentlich nur ein paar ihrer Lieblingsbücher ins Schloss holen wollte. »Raaaaaaaarrrrrrrgh!«, jammerte Löwin Nora. »Ich kann nicht mit. Die Soooonneeee – ich vertrag sie nicht! Die verwandelt mich in eine Taube und ich kann nie wieder schreiben!«

Dramaqueen, dachte sich die Tochter, die schon ganz andere Anfälle der Löwin erlebt hatte. Sie sagte: »Ach, meine Schreiberlöwin, grämet euch nicht! Vor jeglichem Licht dich zu schützen bin ich gewillt.« Löwin Nora jammerte weiterhin. So fuhr die Tochter tatsächlich allein zur ersten Hochzeit. Bei der zweiten aber ließ sie eine solche Schimpftirade auf die Löwin herabregnen, weil sie allein nicht alle Bücher würde ins Schloss bringen können, dass das Schreibertier sich aus der Dunkelheit bequemte. Kaum im Haus angekommen, in dem die Tochter aufgewachsen, verbarg sich Löwin Nora unter dem, was ihr unter die Krallen kam: Kissen, Laken, Bretter, Haushaltsgegenstände … Aber es half nichts: Durch die winzigsten Ritzen drang noch ein Lichtstrahl. Und das Schreibwesen ward eine Taube, die in Panik davonflog!

Da stand die Tochter, mit offenem Mund und Berge von Büchern in den Armen. Ihre liebste Fantasy-Autorin war weg! Halt, nein, die Taube gurrte noch: »Raaaaaaaarrrrrrrgh! Jetzt muss ich sieben Jahre im Exil fliegen. Danke für nichts!« Und sie flog dahin.

Fast hätte die Tochter den Vogel aus den Augen verloren, doch sie sah noch, dass er Federn und Blutstropfen auf seinem Weg hinterließ. Verfluchte Natur, dachte sie seufzend, kein Schwein begibt sich ins Exil, nur weil es gerade seine Ta… Ach, was soll’s. Diese Autoren-Diven. Aber so sehr sie innerlich schimpfte, sie wusste, nur sie konnte die verlorene Autorin zurückbringen.

So machte sie sich auf und folgte den Spuren der Taube – sieben lange Jahre lang. Zum Glück hatte sie noch einige Epen zu lesen und bis George R.R. Martins »Game of Thrones« fertig war, konnte sie eh nicht abkratzen – eher kam sie noch von den Toten zurück! Irgendwann fand sie aber keine Spur von der Taube mehr.

»Hier«, sagte die Sonne völlig aus dem Kontext gerissen, »dieses Kästchen schenke ich dir. Die Taube hat es verloren.« Die Tochter lurrte ins Kästchen, aus dem sie mehrere Augenpaare anstarrten. Ein wunderschöner junger Mann, der unfassbar langes Haar hatte. »Rapunzel« war auf sein Kleid gestickt. Dann war da ein Mädchen, dass Augen von verschiedenen Farben besaß und in zwei verschiedenen Stimmen sprach. »Hänsel & Gretel«, stand mit roter Farbe auf seine Stirn geschrieben. Und dann gab es noch einen Mann mit exotisch dunkler Haut, der verwegen grinste, gute Kleider und protzige Stiefel trug. »Kater«, war auf seinen Hut genäht. Waren das zukünftige Geschichten der Löwin?

»Hier«, sagte der Mond, »ich schenke dir auch was. Ein Ei, hat die Taube gelegt.« Da ist sicher auch eine Geschichte drin, dachte die Tochter, und tatsächlich fand sie auch eine Gravur auf der Eierschale: »Koma-Träume«. Wahrscheinlich würde das Ei in nicht allzu ferner Zukunft schlüpfen – und wer weiß, wann die Truhe geöffnet und welche seiner Figuren für die Welt freigelassen würde?

»Ich habe die Taube gesehen!«, platzte der Südwind aufgeregt herein. »Sie ist am roten Meer gelandet, ist dort wieder zur Löwin geworden und kämpft mit einem Lindwurm, der eine verfluchte Prinzessin ist!«

Na, das war ja schnell eskaliert! Hernach wurde der Tochter ein großes Prozedere zur Rettung der Löwin geschildert. Würden Schwerter oder Magie eine Rolle dabei spielen, würde ich glatt davon erzählen. Aber wer will denn haarklein wissen, welche Ruten und wie viele, wo, wann abgeschlagen werden müssen? Ich meine, so eine Rute ist … ein Zweig. Ist das nicht eine totale Anti-Klimax, nachdem man sich gedacht hat: Geeeiiil, ein Löwe-Drachen-Kampf!

Na ja, auf jeden Fall: Die Tochter schlug den Lindwurm, yeaaaah! Stellt euch ein gigantisches Breitschwert und jede Menge Blut vor, auch wenn es faktisch nur eine mickrige Rute war und das Drachenviech wohl nichts dabei gespürt hatte. Aber dafür konnte die Löwin das Ungeheuer überwältigen und beide verwandelten sich in Menschen zurück. Die Prinzessin entpuppte sich als, äh, hinterhältige Schlange, nett gesagt. Denn die setzte sich einfach auf einen Greif (woher der auch immer kam) und nahm Löwin Nora mit sich!

Wäre das ein typisches Märchen, dann würde die Tochter jetzt den beiden folgen, Magie und lauter hübsche Kleider benutzen, um zu becircen, wen sie verloren hat. Aber ihr habt schon gemerkt, in dieser Variante gibt es nur Ladys, keine fragwürdigen Stockholm-Syndrom-Lovestorys, außerdem sind rosa Perlen öde. Und wenn ihr Vater immer so viel mit den Augen über sie gerollt hatte: Unsere namenlose Tochter ließ sich nicht so einfach übers Ohr hauen. Die war tough – sie hatte alle Bücher von Stephen King gelesen!

Also schmiss sie dem Greifen der depperten Prinzessin das Ei um die Ohren, dass es nur so schepperte. Das ging dann zwar zu Bruch, aber das Flugtier stürzte auch zu Boden. Zum Glück war es nicht sehr hoch geflogen, dadurch blieben alle unverletzt. Die Prinzessin fiel trotzdem in Ohnmacht, weil das Prinzessinnen halt so tun.

»Raaaaaaaarrrrrrrgh«, schmetterte es sogleich, »meine Geschichte! Nur noch zerhauene Eierschale!«

Die Tochter lächelte glücklich über die Beschimpfungen, mit denen sie anschließend überschüttet wurde. Immerhin hatte sie ihre Lieblingsautorin wieder! Und wenn alle Eierschalen gesammelt und neu zusammengesetzt sind, dann gibt es eine neue Geschichte – vielleicht öffnet sich ja auch noch eine Märchenbox davor.

 

© Nora Bendzko

 

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3 thoughts on “#Märchensommer Special: Mein Beitrag zur Märchen-Rallye

  1. *lachend vom Stuhl fall* Was für eine geniale Geschichte – als die Sonne völlig aus dem Kontext gerissen auftauchte, war’s um mich geschehen. Danke danke für diesen Beitrag und ich bin gespannt, was für Geschichten aus Truhe und Ei dabei rauskommen.

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